Thesen

  1. Die Fundamentalontologie von Martin Heidegger steht zur philosophischen Anthropologie von Otto Friedrich Bollnow nicht in einem unversöhnlichen Gegensatz, sondern die Fundamentalogie ist die Grundlage für die Interpretation der philosophischen Anthropologie.
  2. Aus der mit den Grundgegebenheiten des Daseins verbundenen Angst ergibt sich ein ständiges Bedürfnis nach Geborgenheit und Selbstwertgefühl.
  3. Geborgenheit und Selbstwertgefühl sind die beiden Säulen der gehobenen Stimmung.
  4. Die Uneigentlichkeit, in der sich das Dasein nach Martin Heidegger zunächst und zumeist befindet, zeigt sich in der uneigentlichen Geborgenheit und im uneigentlichen Selbstwertgefühl, die eine die Angst verdeckende gehobene Stimmung bewirken.
  5. Martin Heidegger kennt nicht nur die die Angst verdeckende gehobene Stimmung, sondern auch die der Angst enthebende gehobene Stimmung. Die der Angst enthebende gehobene Stimmung ermöglicht ein Leben in der Eigentlichkeit.
  6. Die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl ist die Bedingung für die der der Angst enthebende gehobene Stimmung.
  7. Als Voraussetzung für die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl hat sich das im Glauben verstetigte Gefühl der unbe­dingten Geborgenheit im Unendli­chen im Sinne von Otto Friedrich Bollnow mit dem damit einhergehenden eigentlichen Selbstwert­gefühl erwiesen.
  8. Die volle Befriedigung des Bedürfnisses nach Geborgenheit und Selbstwertgefühl und die damit einhergehende der Angst enthebende gehobene Stimmung sind die Voraussetzungen für das eigenste Sein-können im Sinne von Martin Heidegger in „Sein und Zeit“.
  9. Die der Angst enthebende gehobene Stimmung zeigt an, daß der vom Selbst bestimmte individuelle Stimmungsuntergrund durch das In-der-Welt-sein nicht aus dem Rhythmus gebracht wird und damit das „In-der-Welt-sein“ von der Art ist, daß es dem Selbst entspricht.

    a)     In Abhängigkeit vom individuellen Stimmungsuntergrund werden vom Menschen alle Einflüsse des innerweltlich begegnenden Seienden auf ihre Zu- und Abträglichkeit für das eigenste Sein-können bewertet im „In-sein“

    b)      Im Alltag vermittelt das menschliche Miteinander, wenn es im Dienste des eigensten Sein-könnens steht, Geborgenheit und das eigentliche Selbstwertgefühl als Abbild der im Glauben erfahrbaren Geborgenheit im Unendlichen.

    c)      Das Vermitteln von Geborgenheit durch andere wird wesentlich davon beeinflußt, inwieweit deren individueller Stimmungsuntergrund mit dem eigenen Stimmungsuntergrund übereinstimmt.

    d)      Ein Entwerfen, das nicht dem eigensten Sein-können entspricht, bringt den vom Selbst bestimmten individuellen Stimmungsuntergrund aus dem Rhythmus, womit die Angst um sich selbst einhergeht. Die der Angst enthebende gehobene Stimmung kann daher zur Handlungsorientierung für das Entwerfen auf das eigenste Sein-können dienen.

    e)     das Entwerfen auf das eigenste Sein-können als „Selbstsorge“ beinhaltet zugleich die „Fürsorge“.
  10.  Die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl kann nur   im  ständigen Entwerfen auf das eigenste Sein-können bewahrt werden. Damit geht die „gerüstete Freude“ im Sinne von Martin Heidegger als Gegengefühl ge­gen die „nüchterne Angst“ zur Erreichung der der Angst enthebenden geho­benen Stimmung einher.
  11. Im Alltag vermittelt das menschliche Miteinander, wenn es im Dienste des eigensten Sein-könnens steht, Geborgenheit und das eigentliche Selbstwertgefühl.

  12. Der innere Zusammenhang von Geborgenheit und Selbstwertgefühl gründet in der existentialen Verfassung des Daseins, das gestimmt versteht, daß es nicht nur „ist“, sondern auch „zu sein hat“.

 

 
                                                                                   

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