Ergebnissse

 

Georgenheit und Selbstwertgefühl erweisen sich als die beiden Säulen der gehobenen Stimmung in ihrer das menschliche Leben aufschließenden Kraft. Entsprechend dieser Schlüsselstellung für das emotionale Leben des Menschen ist das Streben nach Geborgenheit und Selbstwertgefühl die grundlegende Motivation des Lebens zwischen Selbstsein und Selbstentfremdung.

Ausgangspunkt für die Untersuchung ist die Auseinandersetzung mit der philosophischen Anthro­pologie von Otto Friedrich Bollnow in ihrem Verhältnis zur der Fundamentalontologie von Martin Heidegger. Sie erfolgt im Rahmen der für beide Ansätze zentralen Frage nach der Ein­bindung der Angst in das Leben des Menschen, insbesondere ihrer Erschließungsfunktion für das Sein des Daseins. Dies bedingt die Herausarbeitung des Unterschieds und des Verhältnis­ses zwischen Stimmungen und Gefühlen.
 
Auf dieser Grundlage werden die Einbindung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl in das Leben des Menschen sowie die Voraussetzungen für die volle Befriedigung und der innere Zusammenhang beider Phänomene geklärt.
 
Die Ergebnisse der Dissertation werden nachfolgend zunächst in ihrer Bedeutung für die Heidegger-Interpretation formuliert. Danach werden die  Folgerungen für die Einbindung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl in das Leben des Menschen und der innere Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen dargestellt.
 
Mittelpunkt der Untersuchung ist der Haupteinwand von Otto Friedrich Bollnow gegen Martin Heidegger, wonach bei Martin Heidegger ein Leben in der Eigentlichkeit nur in der Angst möglich sei, aber sich in der Angst aufgrund deren lähmenden Wirkung das Leben nicht entfalten könne.
 
Dieser Einwand ist, soweit ersichtlich, bis heute nicht entkräftet worden. Der Einwand verhinderte eine umfassendere Umsetzung der Analytik des Daseins in das alltägliche Leben.
 
In der vorliegenden Untersuchung wird gezeigt, daß Martin Heidegger nicht nur die die Angst verdeckende gehobene Stimmung, sondern auch die der Angst enthebende gehobene Stimmung kennt und mit dieser ein Leben in der Eigentlichkeit verbunden ist.
 
Die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl ist die Bedingung für die der Angst enthebende gehobene Stimmung.
 
Ausgangspunkt für die Klärung der Voraussetzungen für die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl sind die Grundgegebenheiten des Daseins als die Ursache der Angst.
 
Für die Phänomene Geborgenheit und Selbstwertgefühl ergibt sich daraus folgendes:
 
Geborgenheit und Selbstwertgefühl sind die beiden Säulen der gehobenen Stimmung.
 
Aus der mit den Grundgegebenheiten des Daseins verbundenen Angst ergibt sich ein ständiges Bedürfnis nach Geborgenheit und Selbstwertgefühl.
 
Die Bedeutung der vollen Befriedung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl liegt darin, daß dadurch das eigenste Sein-können ermöglicht wird.
 
Im Alltag fördert das menschliche Miteinander, wenn es durch das Vermitteln von Geborgenheit im Dienste des eigensten Sein-könnens steht, immer zugleich das eigentliche Selbstwertgefühl.
 
Die Uneigentlichkeit, in der sich das Dasein nach Martin Heidegger zunächst und zumeist befindet, zeigt sich in der uneigentlichen Geborgenheit und im uneigentlichen Selbstwertgefühl, die eine die Angst verdeckende gehobene Stimmung bewirken.
 
Von daher ergibt sich für den Menschen die Aufgabe, den Alltag möglichst so zu gestalten, daß das Gefühl der Geborgenheit und das eigentliche Selbstwertgefühl als Voraussetzungen für das eigenste Sein-können gefördert werden.  
 
Das Verhältnis von Geborgenheit und Selbstwertgefühl ist danach in die Dynamik des Lebens eingebettet.
 
So erwächst das Selbstwertgefühl im eigentlichen Sinne aus der Geborgenheit. Beide sind Voraussetzung für die der Angst enthebende gehobene Stimmung als Grundlage für das Entwerfen auf das eigenste Sein-können. Aber nur im Entwerfen auf das eigenste Sein-können kann die volle Befriedigung von Geborgenheit und Selbstwertgefühl bewahrt werden.
 
Aus der vorliegenden Untersuchung folgt, daß die Fundamentalontologie Martin Heideggers und die philosophische Anthropologie von Otto Friedrich Bollnow keine unversöhnlichen Gegensätze bilden, sondern die philosophische Anthropologie vor dem Hintergrund der Fundamentalontologie interpretiert werden muß.
 
 
 
                                                                                                            
 
                                                                                                          
                                                                                                        
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